Wegweiser im Informationsdschungel
„Welche Studien gibt es eigentlich zur Wirksamkeit von Omega-3-Fettsäuren bei Entzündungen?“ – eine typische Frage, wie sie im Praxisalltag schnell auftauchen kann. Doch wer versucht, darauf über klassische Datenbanken wie PubMed oder Google Scholar eine fundierte Antwort zu finden, verliert oft viel Zeit im Dschungel unzähliger Artikel.
Genau hier setzt die künstliche Intelligenz an. Mit Plattformen wie OpenEvidence lassen sich medizinische Fragestellungen in wenigen Sekunden beantworten – evidenzbasiert, klar gegliedert und mit Quellenangaben aus renommierten Fachzeitschriften. Für Therapeuten bedeutet das: schneller Zugang zu hochwertigem Wissen, das die tägliche Arbeit erleichtert und die Qualität der Entscheidungen unterstützt.
Ein Hinweis ist dabei wichtig: OpenEvidence ist derzeit nur in englischer Sprache verfügbar. Doch das sollte niemanden abschrecken – kostenlose Übersetzungstools wie ChatGPT, DeepL oder Google Übersetzer liefern heute sehr gute Ergebnisse und machen die Inhalte mühelos verständlich. So bleibt die wissenschaftliche Evidenz für alle zugänglich – unabhängig von der Sprachgrenze.
Was OpenEvidence leistet
OpenEvidence ist eine KI-gestützte, evidenzbasierte Wissensplattform, die speziell für medizinisches Fachpersonal entwickelt wurde. Im Gegensatz zu allgemeinen KI-Systemen greift sie direkt auf wissenschaftliche Primärquellen zu – also auf peer-reviewte Studien aus renommierten Journalen wie The New England Journal of Medicine, JAMA oder PubMed. Innerhalb weniger Sekunden erstellt die Plattform eine präzise, strukturierte Zusammenfassung der aktuellen Evidenzlage zu einer medizinischen Fragestellung – inklusive Quellenangaben und Links zu den Originalartikeln.
Besonders nützlich ist OpenEvidence in Situationen, in denen rasche, fundierte Entscheidungen gefragt sind: bei Differentialdiagnosen, Therapieentscheidungen oder zur Vorbereitung von Fallbesprechungen. Die App ist für iOS und Android verfügbar und wird laut Angaben des Unternehmens bereits von einem grossen Teil der US-amerikanischen Ärzteschaft genutzt.
Ein Alleinstellungsmerkmal der Plattform ist das Modul „DeepConsult“. Damit lassen sich komplexe, forschungsnahe Fragen stellen, auf die das System innerhalb kurzer Zeit eine detaillierte evidenzbasierte Antwort liefert – auf Wunsch auch als E-Mail-Bericht. So wird aus der KI ein echtes Recherche- und Entscheidungswerkzeug, das Wissenschaft und Praxis intelligent verbindet.
Praxisbezug: So arbeitet man mit OpenEvidence
Wie funktioniert die Plattform konkret? Ein Beispiel zeigt, wie KI-basierte Evidenzsuche in der Praxis aussehen kann:
Beispiel-Frage:
„What is the current evidence on the effectiveness of mindfulness-based interventions (such as mindfulness meditation) for hypertension?“
(Welche aktuellen Studien gibt es zur Wirksamkeit achtsamkeitsbasierter Verfahren – etwa Achtsamkeitsmeditation – bei Bluthochdruck?)
OpenEvidence analysiert innerhalb von Sekunden Tausende wissenschaftliche Artikel und fasst die Ergebnisse strukturiert zusammen. Die Antwort beginnt so:
Ergebnis (Auszug, übersetzt):
Achtsamkeitsbasierte Interventionen, darunter die Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR), sind laut mehreren systematischen Reviews und Metaanalysen mit einer moderaten Senkung des Blutdrucks verbunden – typischerweise zwischen 4 und 11 mmHg systolisch und 2 bis 6 mmHg diastolisch.
Die Effekte sind am deutlichsten bei Personen mit höherem Ausgangsblutdruck und gehen häufig mit einer Reduktion von Stress, Angst und depressiver Symptomatik einher.
Weiter heisst es in den US-amerikanischen Leitlinien (AHA/ACC 2025), dass Meditation den Blutdruck um etwa 5/2 mmHg senken kann – weniger stark als klassische Lebensstilinterventionen wie Ernährungsumstellung oder Bewegung, aber als ergänzende Massnahme sinnvoll.
Zwei Beispiele von insgesamt 10 Quellenangaben:
- Effect and Acceptability of Mindfulness-Based Stress Reduction Program on Patients With Elevated Blood Pressure or Hypertension: A Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Lee EKP, Yeung NCY, Xu Z, et al. Hypertension (Dallas, Tex. : 1979). 2020;76(6):1992-2001. doi:10.1161/HYPERTENSIONAHA.120.16160.
- Effect of Mindfulness-Based Interventions on People With Prehypertension or Hypertension: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Chen Q, Liu H, Du S. BMC Cardiovascular Disorders. 2024;24(1):104. doi:10.1186/s12872-024-03746-w.
Dieses Beispiel zeigt, wie präzise und evidenzbasiert OpenEvidence medizinische Fragen beantwortet – mitsamt Quellenangaben aus aktuellen Fachzeitschriften.
Tipp: Für besonders gute Ergebnisse empfiehlt es sich, bei den Fragen medizinische Fachbegriffe (Schlüsselwörter) zu verwenden – etwa “hypertension” statt “high blood pressure” oder “mindfulness-based interventions” statt nur “meditation”. So erkennt die KI gezielter relevante Studien.
Fazit: Eine Einladung zum Ausprobieren
OpenEvidence zeigt eindrucksvoll, wie künstliche Intelligenz den medizinischen Alltag unterstützen kann – nicht als Ersatz für Erfahrung, sondern als Erweiterung des Wissenshorizonts. Wer regelmässig nach neuen Studien, Leitlinien oder Hintergrundinformationen sucht, findet hier ein Werkzeug, das Zeit spart und zugleich wissenschaftlich fundierte Antworten liefert.
Gerade für Heilpraktiker, Ärzte und andere Therapeuten, die ganzheitlich arbeiten, kann OpenEvidence eine wertvolle Brücke sein: zwischen Intuition und Evidenz, zwischen Erfahrung und Forschung. Auch wenn die Plattform derzeit nur in englischer Sprache verfügbar ist, lohnt sich das Ausprobieren – schon wenige Minuten mit einem Übersetzungstool genügen, um die Möglichkeiten zu entdecken.